Kühlsystem entlüftet nicht (Audi 80 B3)

  • Hallo Zusammen,

    mir hats bei meinem Audi 80 B3 1.8S kürzlich während der Fahrt den Heizungswärmetauscher zerrissen, an der oberen Seite war das Plastik gebrochen und dadurch kam dann Kühlwasserdampf überall aus der Heizung. Habe dann den HWT ausgewechselt, hab einen neuen von Febi Bilstein eingebaut. Als ich danach das Kühlsystem entlüften wollte, kam immer wieder Wasser aus dem Ausgleichsbehälter geblubbert. Der Motor lief immer ca 10 Minuten oder so, bis die Heizung (hab Heizung und Gebläse voll aufgedreht) langsam warm geworden ist, bis dahin gab's auch keine Probleme. Dann kam immer wieder ein bisschen Luft durch diesen dünneren Schlauch vom Kühler in den Ausgleichsbehälter, das hat bei offenem Deckel so ein knatterndes Geräusch gemacht. Alle Schläuche sind gleichmäßig warm geworden und die Motortemperatur ist auch ganz normal angestiegen, bis ca 90 Grad. Dann läuft der Ausgleichsbehälter voll, bis irgendwann das Überdruckventil vom Deckel aufmacht und das Wasser rauskommt. Auf die Art hab ich 3 Tage versucht, die Kühlung zu entlüften, mal mit offenem Deckel vom Ausgleichsbehälter, mal mit geschlossenem. Hab leider keinen 2. Entlüftungspunkt wo die Luft entweichen könnte.

    Nachdem das alles nichts geholfen hat, bin ich die Straße runter in die Werkstatt und hab mein Problem geschildert, der Mechaniker hat eine defekte Zylinderkopfdichtung vermutet (durch den plötzlichen Kühlmittelverlust, als der HWT kaputt gegangen ist?), also dass eben Abgase im Kühlsystem den Überdruck erzeugen. Also hab ich die auch gewechselt, hab alles ordentlich gemacht. Der Kopf ist plangeschliffen worden und die Schrauben hab ich alle in der richtigen Reihenfolge mit dem richtigen Drehmoment und sowas angezogen. Da sollte also jetzt alles passen.

    Gestern bin ich damit fertig geworden, der Motor läuft prima sauber und alles ist soweit gut.

    Dann hab ich wieder versucht, das Kühlsystem zu entlüften. Und das Problem war wieder das selbe. Bis 90 Grad ca hat alles gepasst, dann ist wieder der Ausgleichsbehälter vollgelaufen und bei etwas über 90 Grad kams zum Deckel (der war zu) wieder raus.

    Jetzt weiß ich nicht mehr weiter, das Thermostat sollte okay sein weil die Schläuche alle warm sind, also auch die vom und zum Kühler.

    Wo kann denn dieser Überdruck noch alles herkommen, die Luft im System muss ja irgendwann auch mal draußen sein?

    Vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit, würde mich sehr über eine Antwort freuen :)

    Danke!

  • majonaise36

    Hat den Titel des Themas von „Kühlsystem entlüftet nicht“ zu „Kühlsystem entlüftet nicht (Audi 80 B3)“ geändert.
  • Das Problem hatten wir auch kürzlich. Leider konnten wir es letztlich nicht eingrenzen da das Projekt abgebrochen und das Fahrzeug abgegeben wurde. Aber nach der ganzen Arbeit die du dir schon gemacht hast macht es den Braten jetzt auch nicht mehr fett wenn du dir noch einen CO2 Test besorgst und prüfst ob es sich um Abgas handelt oder das Kühlsystem tatsächlich nur schlecht entlüftet.


    Der Kopf war zum planen? Empfehlenswert wäre es auch gewesen ihn beim Motorenbauer abdrücken zu lassen um festzustellen ob er Risse hat.


    (durch den plötzlichen Kühlmittelverlust, als der HWT kaputt gegangen ist?)

    Möglich... aber mal anders herum. Vielleicht ist der Wärmetauscher geplatzt auf Grund von zu hohem Druck im Kühlsystem weil die Risse bereits da waren...

  • Wo kann denn dieser Überdruck noch alles herkommen, die Luft im System muss ja irgendwann auch mal draußen sein?

    Der Überdruck kann nur vom Motor selbst kommen, lasse doch in der Werkstatt prüfen ob du CO2 im Kühlwasser hast.


    Kannst Du z.B. hiermit auch selbst prüfen. Ich gehe davon aus, dass das alte Kühlwasser restlos entfernt wurde und keine alten Rückstände mehr im Kühlkreislauf sind.


    Ansonsten kann beim Entlüften helfen das Auto rückwärts in eine steile Ausfahrt zu stellen, dann ist der höchste Punkt oben am Kühler, da steigt die Luft dann hin wenn alles richtig zirkuliert. 😉 Durch vorsichtiges Lösen des oberen Kühlschlauch kann dann die übrige Luft entweichen.


    Den Deckel würde ich als erstes tauschen -falls noch nicht geschehen- der kann ja auch defekt sein.

  • Hallo,


    ich habe genau dieses Problem kürzlich gelöst, nachdem ich den Thermostat ausgetauscht habe. Die von mir verwendete Methode ist etwas gewagt, aber versuchen Sie, mit der Front nach oben auf einen steilen Hügel zu fahren und entfernen Sie langsam den Rücklaufschlauch (befindet sich links näher am Motor). Tragen Sie dabei Schutzkleidung, insbesondere eine Schutzbrille, da heißes Kühlmittel direkt auf Sie spritzen kann. Wenn kein Kühlmittel austritt, erhöhen Sie langsam die Drehzahl, bis Kühlmittel austritt. Diese Methode ist etwas schmutzig, da B3-Modelle keine Entlüftungsventile wie B4-Modelle haben, es sei denn, der Schlauch wurde ausgetauscht.

    Aftermarket-Heizungskerne können im Vergleich zum Original etwas schlechter heizen.

  • Alles klar, vielen Dank schonmal für die vielen Tipps!

    Ich probier jetzt als erstes mal das mit dem Deckel, das ist ja kein großer Aufwand. Wenn das nichts hilft, mache ich auf jeden Fall so einen CO2-Test, rein optisch habe ich aber keine Haarrisse oder sowas gesehen (weder am Kopf, noch am Block), und auch der aus der Motorwerkstatt hat da nichts gesehen. Extra getestet hat er das allerdings nicht.

    Ich schreib dann nochmal, was dabei rausgekommen ist.

    Frohe Weihnachten an alle!

  • Zum Hinweis mit dem Überdruck im Kühlsystem:

    (Ich gehe davon aus, dass du einen PM Motort hast)

    Wenn Überdruck im System wäre, müsste der obere Kühlmittelschlauch bretthart sein., so, dass der fast nicht eindrückbar ist.


    Wenn die Heizung ihre volle Heizkraft enwickelt und nicht "gluckert" >meist kurz nach dem Motor abstellen<, kannst du von einer kompletten Entlüftung des Kühlkreislaufes ausgehen.

  • Ich habe jetzt so einen Indikator-Test für CO² im Kühlwasser gemacht, der hat nicht angeschlagen. Gehe davon aus, dass der Motor in Ordnung ist und das mit der Zylinderkopfdichtung funktioniert hat. Habe den Deckel bestellt und eine neue Wasserpumpe, werde ich im Lauf der Woche einbauen... Schauen wir mal :)

  • Der Überdruck kann nur vom Motor selbst kommen

    Das ist so nicht richtig. Auch bei intakter ZKD kann es zu den hier geschilderten Problemen kommen.


    Wenn der Motor nur an einer Stelle überhitzt und das Kühlwasser verdampft, werden aus einem Liter Wasser ungefähr 1.600 (EINTAUSENSECHSHUNDERT) ltr. Dampf. Durch das entstehende Dampfvolumen wird das Kühlwasser in den Ausgleichsbehälter gedrückt und der Druck im System steigt schlagartig an, weil sich Flüssigkeiten nicht komprimieren lassen und der "Luftraum" im Ausgleichsbehälter "überschaubar" ist. Aus der Physik gilt: Das Produkt aus Druck und Volumen bei Gasen ist konstant. Verkleinert sich das Luftvolumen im Ausgleichsbehälter steigt der Druck entsprechend an.


    Das Problem hier ist einmal mehr die falsche Temperaturanzeige im Kombiintrument i.V.m. einem Problem in der Kühlung selbst.

    Selbst wenn kein Deckel auf dem Ausgleichsbehälter ist, darf bei echten 90 °C das Kühlwasser nicht "überkochen". Vorher muss der Kühlerlüfter laufen.

    Die einen kennen mich, die anderen können mich ... :)

    DAS TRIO ist komplett!
    03-2020 Audi Coupe 2,8 V6 - EZ 03-1993
    07-2019 Audi 80 Avant 2,8 V6 - EZ 12-1994 - einer der letzten 30 24 21 17 16 14 in D
    08-2017 Audi Cabriolet 2,3 5E - EZ 02-1992 - der Classiker für Kenner

  • Als ich danach das Kühlsystem entlüften wollte, kam immer wieder Wasser aus dem Ausgleichsbehälter geblubbert. Der Motor lief immer ca 10 Minuten oder so, bis die Heizung (hab Heizung und Gebläse voll aufgedreht) langsam warm geworden ist, bis dahin gab's auch keine Probleme. Dan

    wenn das dein einziges Problem ist, muß ich dich enttäuschen, dann hast du kein Problem, diese Luftblasen in der Leitung zum Ausgleichsbehälter sind völlig normal und alltäglich bei diesen Motoren.

  • Wenn der Motor nur an einer Stelle überhitzt und das Kühlwasser verdampft, werden aus einem Liter Wasser ungefähr 1.600 (EINTAUSENSECHSHUNDERT) ltr. Dampf. Durch das entstehende Dampfvolumen wird das Kühlwasser in den Ausgleichsbehälter gedrückt und der Druck im System steigt schlagartig an, weil sich Flüssigkeiten nicht komprimieren lassen und der "Luftraum" im Ausgleichsbehälter "überschaubar" ist. Aus der Physik gilt: Das Produkt aus Druck und Volumen bei Gasen ist konstant. Verkleinert sich das Luftvolumen im Ausgleichsbehälter steigt der Druck entsprechend an.

    Ist das nicht eher die Theorie oder bei eine Verstopfung im Kühlkreislauf denkbar?

    Das Kühlwasser zirkuliert durch die Wasserpumpe ständig, da kann eine partielle Überhitzung eigentlich nur unter Vollast im Sommer stattfinden.

    Durch das Kühlmittel sollte der Siedepunkt auch deutlich höher liegen als bei 100 Grad.

    Wenn das Thermostat defekt ist und mechanisch nicht öffnet ist nur der kleine Kühlkreislauf mit dem Wärmetauscher am zirkulieren, der Ausgleichsbehälter bleibt wie der Kühler eher drucklos.

    Selbst im Stand(gas) würde ich das bei den derzeitigen Temperaturen ausschließen.


    Aber eventuell ist hier die Zirkulation wegen Luftblasen im System eingeschränkt, daher zuerst richtig entlüften.

  • Ja, die Luftblasen, die während der Warmlaufphase im Ausgleichbehälter zu sehen sind, kommen ja aus dem kleinen Schlauch. Das hat mich früher auch gewundert, die Erklärung ist aber sehr einfach.

    Wenn der Motor kalt ist, drückt mal den dicken Schlauch zum Kühler zusammen. Da kommt nicht sofort Wasser aus dem kleinen Schlauch in den Behälter.

    Da ist also Luft oben im Kühler, die kommt beim Warmlaufen dann da als Luftblasen raus. Also alles Normal. :)

  • Ist das nicht eher die Theorie

    Nein, auch erlebte Praxis. ;)


    Die vom Kühlwasser aufgenommene Wärmemenge bzw. Wärmeleistung ist immer identisch mit der vom Motor abgegebenen Wärmemenge bzw. -leistung.

    Als Formel gilt Q (Wärmemenge) = m (Masse) x c (spezifische Wärmekapazität) x deltaT (Temperaturdifferenz) bzw.

    Wärmeleistung = Massenstrom x spezifische Wärmekapazität) x Temperaturdifferenz

    Also hängt die Austrittstemperatur des Kühlwasser aus dem Motor immer von der Eintrittstemperatur in den Motor ab. Hinzu kommt, dass es unterschiedliche Temperaturbereiche im Motor gibt und die gemessene Temperatur immer eine Mischtemperatur ist.


    Aufgrund der Physik ist es auch Illusion, dass die Kühlwassertemperatur immer konstant 90 °C ist, wie die meisten annehmen. Der Massenstrom ändert sich permanent mit der Motordrehzahl und dem Öffnungsgrad des Thermostat. Die elektrische Temperaturanzeige ist nur zu träge oder bei modernen Fahrzeugen "manipuliert". Hatte ich gerade an unserem TIGUAN. Die Anzeige stand bereits auf 90 °C und blieb da wie angenagelt stehen, während sich die tatsächliche Temperatur von 68 °C langsam nach oben bewegte. Ich bin mir sicher (ohne es ausprobiert zu haben), dass die Temperaturanzeige auch bei echten 100°C (was auch nichts "Schlimmes" ist) da immer noch bei 90 °C steht. Ist aber ein anderes Thema.

    Durch das Kühlmittel sollte der Siedepunkt auch deutlich höher liegen als bei 100 Grad.

    Das ist aber auch nicht der entscheidende Faktor. Bei 50 % Frostschutzanteil erhöht sich bei Atmosphärendruck der Siedepunkt gerade mal von 100 °C auf 108 °C. Entscheidender ist der mögliche Überdruck im Kühlsystem, der durch den Deckel mind. bei 1,2 bar bis max. 1,5 bar liegen soll. Dadurch würde sich die Siedetemperatur bei reinem Wasser bereits auf mind. ca. 120 °C erhöhen, mit Frostschutzzusatz noch etwas höher.


    Kannst ja mal selbst folgenden Versuch machen:

    Lass den Motor mit offenem Ausgleichsbehälter im Stand warm laufen und zieh vorher das Relais der ersten Lüfterstufe. Der Wasserstand im Ausgleichsbehälter wird plötzlich schlagartig ansteigen und der Behälter läuft über.

    Mit funktionierendem Kühlerlüfter, der bei ca. 95 °C anlaufen sollte, passiert das nicht.

    So kann man auch auf einfache Art prüfen, ob die Temperaturanzeige im KI richtig funktioniert.

    ;)


    Das "richtige" Entlüften wird m.M.n. auch überbewertet. Ich lass, wie oben geschildert, bei einer Neubefüllung den Motor mit offenem Deckel des Ausgleichbehälters warmlaufen und hatte noch nie Probleme mit Luft im System. Wenn man über die Entlüftungsschrauben am Kühler oder HWT entlüften will, dann den Motor mit geschlossenem Deckel warmlaufen lassen, damit sich Druck aufbauen kann. Dann den Motor abstellen und kurz warten, bis sich die Luft an den höchsten Stellen absetzen kann. Dann erst entlüften. Wie bei der Zentralheizung zuhause.

    ;)

    Funktioniert aber nur bei Fahrzeugen aus der Zeit, um die es hier geht. Bei den modernen Fahrzeugen wird es ohne Vakuum-Befüllgerät meist schwierig.

    Viele versuchen bei laufendem Motor zu entlüften. Funktioniert nicht, da die Luft immer mit dem Wasser mitgefördert wird.


    Hier liegt das Problem, wie bereits weiter oben geschrieben, eindeutig bei der falschen Anzeige i.V.m. einer nicht richtig funktionierenden Kühlung.

    Die einen kennen mich, die anderen können mich ... :)

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  • Kannst ja mal selbst folgenden Versuch machen:

    Lass den Motor mit offenem Ausgleichsbehälter im Stand warm laufen und zieh vorher das Relais der ersten Lüfterstufe. Der Wasserstand im Ausgleichsbehälter wird plötzlich schlagartig ansteigen und der Behälter läuft über.

    Mit funktionierendem Kühlerlüfter, der bei ca. 95 °C anlaufen sollte, passiert das nicht.

    So kann man auch auf einfache Art prüfen, ob die Temperaturanzeige im KI richtig funktioniert.

    Kann ich für AAH und JN nachvollziehen, bei ACE und ABK ist der Ausgleichsbehälter eher drucklos wenn die Lüfterstufe 1 läuft.

    Da werden auch dann höhere Temperaturen angezeigt, jetzt verstehe ich aber welchen Effekt du meinst.

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