Audi 80 KE Jetronic JN: Katastrophaler Kaltlauf, pendelnder EHS Strom und drohender Haarausfall

  • Moinsen zusammen!

    Ich habe folgendes Problem (vor dem Problem hatte ich noch volles Haar): Mein Audi 80 1.8S mit der KE Jetronic (JN Motor) springt sehr schwer an und läuft im kalten Zustand extrem unrund. Die Drehzahl sinkt auf 600 bis 700 Umdrehungen und er geht sogar aus, wenn ich ihn nicht künstlich mit dem Gaspedal am Leben halte.

    Wenn ich ihn etwas auf Temperatur gebracht habe, bleibt er relativ stabil an, auch wenn die Drehzahl nicht absolut perfekt konstant bleibt.

    Hier kurz und knapp die Dinge, die ich bereits erfolgreich abgecheckt habe:

    • Kühlmitteltemperatursensor: Liefert die korrekten Ohmwerte.
    • Kaltstartventil: Ausgebaut geprüft, sprüht einen ordentlichen Nebel.
    • Thermozeitschalter: Mit Multimeter gemessen, gibt für 4 bis 5 Sekunden frei (passt laut Handbuch).
    • Kompression: Auf allen Zylindern um die 9,5 Bar (völlig im Rahmen).
    • Stauscheibenpoti: 7,8 Volt Spannung liegt an. Am anderen Pin habe ich dann gemessen: lineare Steigerung bis auf zu den 7,8 Volt ohne Springer (mit Oszilloskop gemessen)
    • Kraftstoffdruck: Systemdruck 5,5 Bar, Unterkammerdruck 5,1 Bar, Differenzialdruck exakt 0,4 Bar. Haltedruck ist da und bleibt stabil.
    • Einspritzventile: Sind nagelneu gekommen.
    • Zusatzluftschieber: Ist kalt offen und schließt bei Wärme brav.
    • Falschluft Check: Nebelmaschine an die Ansaugbrücke angeschlossen (Anschluss vom Bremskraftverstärker), zwischen Ansaugstutzen und Stauscheibentrichter mit einer Plastiktüte abgedichtet. Nirgendwo kam Nebel raus.

    Jetzt zu den Punkten, bei denen ich langsam am Verzweifeln bin:

    • EHS Strom (Motor warm): Springt auf 10mA, sinkt dann schrittweise auf 0mA, bleibt dort für 4 bis 5 Sekunden und springt wieder auf 10mA (Video dazu im Anhang).
    • Lambdasonde (Motor warm): Mit Oszilloskop gemessen. Liefert für 4 bis 5 Sekunden 0,4 bis 0,5 Volt, steigt dann auf 0,8 Volt und bleibt da auch für 4 bis 5 Sekunden. Ist die zu träge? Das überschneidet sich zeitlich mit dem pendelnden EHS Strom.
    • Ruhestellung Stauscheibe: Zur oberen Kante ca 1,9 mm (gemessen am Punkt, der dem Mengenteiler am nächsten ist).
    • Leerlauf: Dieses langsame Pendeln der Werte hört man auch leicht an der Motordrehzahl.
    • Fehlzündungen: Manchmal kommt ein lautes Ploppen aus Richtung Ansaugstutzen.
    • Zündkerzen: Sehr verrußt (schwarz), aber der Auspuffqualm riecht nicht extrem nach Benzin.
    • Benzinpumpe: Es kommt ein eindeutiges summendes Geräusch von hinten. So soll es ja sein, aber mein Bauchgefühl sagt, das Summen ist ein Stückchen zu laut. (Kraftstofffilter zu?)
    • Zündanlage: Verteilerkappe und Kabel habe ich mir noch nicht im Detail angesehen (Wassertest steht noch aus). CO Schraube müsste eigentlich auch passen.

    Hat jemand von Euch Erfahrung mit genau diesem Fehlerbild und weiß, woran das liegen könnte? Besonders das Verhalten vom Drucksteller und der Lambdasonde macht mich stutzig.

    Ich bin für jeden Tipp dankbar!

  • Vom Verhalten des Drucksteller-Strom her sieht man, dass das MSG versucht das Gemisch abzumagern und weniger als 0mA macht es im Leerlauf nicht.

    +10mA ist auch der korrekte Mittelwert für den Drucksteller-Strom. Pendelt der Wert +-4mA oder bleibt es statisch bei +10mA? Ein statischer Wert könnte auf eine fehlerhafte Lambdasonde deuten. Hast du diese probeweise mal abgeklemmt? Das würde zwar das schlechte Startverhalten nicht erklären, aber vielleicht wurde ja mit der defekten Lambdasonde die CO Schraube verstellt.

    P.S. der Kraftstoffdruck ist auch in Toleranz, deswegen glaube ich nicht dass es an der Kraftstoffpumpe liegt

    Verschiebe nichts auf Morgen, was du auf Übermorgen schieben kannst


    Zitat Shorty_94: "Für Spoiler und Spurplatten ist ja in der Regel auch immer Geld übrig"

  • +10mA ist auch der korrekte Mittelwert für den Drucksteller-Strom. Pendelt der Wert +-4mA oder bleibt es statisch bei +10mA? Ein statischer Wert könnte auf eine fehlerhafte Lambdasonde deuten.

    Erst mal vielen Dank für die Antwort.

    Habe den mal wieder warm fahren lassen. Heute ein komplett anderes Phänomen: der EHS Strom bleibt stationär bei 10.09 mA. Manchmal springt der Strom kurz runter aber bleibt dann hauptsächlich stationär bei 10.09 mA.

    PS: ich habe seitdem nichts geändert.


    Hast du diese probeweise mal abgeklemmt?

    Tatsächlich nicht probiert, ist mir leider nicht in den Sinn gekommen. Werde ich vorher auch noch mal probieren.


    Ansonsten neue Lambdasonde und dann noch mal schauen und messen.

    Werde mich noch mal melden :)

  • momoali2001 :

    Dichtungen der Einspritzdüsenhalter hast du neu gemacht?

    Zündzeitzpunkt kontrolliert? Der JN hat einen Verrteiler mit Fliehgewichten, ist die verdrehbare Verteilerwelle frei? (Manchmal rostet das durch Feuchtigkeit fest). Der Verteiler hat auch eine Unterdruckdose, kontrollieren ob die dicht ist.

    Das was ihr hier als CO Schraube bezechnet ist keine CO Schraubve sondern nur eine Umluftschraube, damit wird tatsächlich bei warmen Motor die Leerlaufdrehzahl eingestellt und dabei beachten das die Leerlaufdrehzahl beim JN auf 900 bis 1000 U/min eingestellt wird.

    Dre JN hat nämlich keine Leerlaufluftregelung sondern nur eine Anhebung die beim Kaltstart wirkt (die Zigarre).

    Beim unserem JN habe ich im Winter immer die Leerlaufdrehzahl auf 1000 bis 1100 U/min gestellt weil sonst der eiskalte Motor zu wenig Drehzahl hatte,

    Deine Messungen sehen so aus wenn das im Grunde ok ist, nur die Lambda könnte rumspinnen und so langsam wie die misst ist die wohl zu alt.

  • Nein, ich meinte schon die CO Schraube am Mengenteiler mit der die Grundeinstellung des Drucksteller-Stroms vorgenommen wird und nicht die Schraube an der Drosselklappe

    Verschiebe nichts auf Morgen, was du auf Übermorgen schieben kannst


    Zitat Shorty_94: "Für Spoiler und Spurplatten ist ja in der Regel auch immer Geld übrig"

  • Kleines Update.

    Ich habe mal bisschen an dem Kühlmitteltemperatursensor gespielt. Der hat Wackelkontakt... Motordrehzahl geht beim drücken des Steckers hoch und runter. Peinlich.
    So vieles getestet obwohl es ein Wackelkontakt ist.

    An der Stelle will ich auch zugeben: Vor einem Monat wusste ich nicht mal, was ein Mengenteiler macht und wie es funktioniert.
    Ich bin Lebensmitteltechnologie Student und hatte vorher nie was mit KFZ bzw. Autos zutun.
    Ich habe mir vor einigen Wochen für 850 einen (recht sauberen und gepflegten) Audi 80 gekauft. Mir war das Risiko klar aber ich war bereit, dieses Risiko auf mich zu nehmen und mir alles selber beizubringen. Ja ich bin ein Laie aber jedes Hochhaus hat mal mit einem Keller angefangen :D

    Nun habe ich den Sensor gewechselt und siehe da, läuft schon mal vieeel besser ABER trotzdem leicht unrund (700-800 Drehzahl). Die CO Schraube muss definitiv noch eingestellt werden.

    Vielen Dank euch für eure Tipps.

    Dichtungen der Einspritzdüsenhalter hast du neu gemacht?

    Zündzeitzpunkt kontrolliert? Der JN hat einen Verrteiler mit Fliehgewichten, ist die verdrehbare Verteilerwelle frei? (Manchmal rostet das durch Feuchtigkeit fest). Der Verteiler hat auch eine Unterdruckdose, kontrollieren ob die dicht ist.

    Einspritzdüsen waren tatsächlich undicht (Nebel kam aus den Einspritzventilkappen raus). Ich habe direkt neue Einspritzdüsen gekauft (die alten waren auch nicht mehr die besten) und neue Kappen. Für die Kappen habe ich leider die alten Dichtungen genutzt, da ich keine Ersatzdichtungen gefunden habe. Ich habe aber direkt an den Kappen noch mal Dichtringe rangemacht und jetzt ist alles perfekt dicht.

    Zündzeitpunkt usw. habe ich nicht kontrolliert und sollte ich sicherheitshalber trotzdem mal abchecken... Würde nicht schaden. Ansonsten alles dicht.

    Vielen Dank euch beiden für eure Tipps.

  • Da du dich ja brav in beherrschbare Technik einarbeitest. ;)


    Ich glaube nicht an einen "Wackelkontakt", sondern an defekte Steckkontakte vom Motorleitungssatz.

    Das schreibe ich hier ständig, auch wenn es wenige glauben.

    Die Kontakte gibt es u.a. von Herth und Buss im Pack.

    Eine kostengünstige Alternative, wenn man eine "richtige" Crimpzange hat.

    Also nicht das Zeug für wenig Geld.

    Alternativ gibt es gut vercrimptes mit Kabel, dass muss man halt vernünftig mit dem Motorleitungssatz verbinden.

    Früher gingen mal diese Lötverbinder (Rohr mit Lötzinn und Flussmittel) , aber das Zeug taugt auch nix mehr, so meine Erfahrung.


    Die Kunststoffstecker würde mich mir mal vorsorglich besorgen. Die überleben gern den Umbau nicht.....


    Und, das ist aber Glaskugel, dein Tempsensor ist völlig in Ordnung.

    Nur durch das Bewegen der Steckkontakte gehen die wieder mal kurzzeitig....



    Zitat


    Für die Kappen habe ich leider die alten Dichtungen genutzt,

    Mach doch mal Fotos von welchen Dichtungen wir reden....


    Das ist jetzt nicht so wichtig.

    Aber es ist bei der KE keine Co- Schraube, das ist es nur bei der K.

    Ich würde es eher auf den richtige "Arbeitspunkt" Schraube nennen.

  • Schwankt jetzt der Drucksteller-Strom um 10mA?

    Aber es ist bei der KE keine Co- Schraube, das ist es nur bei der K.

    Ich würde es eher auf den richtige "Arbeitspunkt" Schraube nennen.

    Doch das heißt auch bei der KE "CO-Einstellschraube" im RLF

    Verschiebe nichts auf Morgen, was du auf Übermorgen schieben kannst


    Zitat Shorty_94: "Für Spoiler und Spurplatten ist ja in der Regel auch immer Geld übrig"

  • Schwankt jetzt der Drucksteller-Strom um 10mA?

    Sorry für die späten Antworten, ich finde leider wegen meiner Bachelorarbeit nicht so viel Zeit für das Schrauben.

    Update: Wie gesagt, seitdem ich den Sensor gewechselt habe, läuft der jetzt viel besser und geht nicht mehr aus. Trotzdem ist die Drehzahl nicht "perfekt".
    Ich habe heute das Multimeter dazwischen geschalten und folgendes konnte ich protokollieren:


    Phase 1: Aufwärmphase
    Während der Aufwärmphase ist der Strom konstant bei 10,09 mA. Es schwankt nicht und bleibt konstant bei diesem Wert.

    Wenn ich mal gas geben, steigt der Wert leicht an


    Phase 2: Motor ziemlich warm aber nicht Betriebstemperatur
    Hier fängt der Wert an, Schritt für Schritt von ca. 10 mA hochzuklettern bis auf 17 mA, sinkt dann aber schlagartig zurück auf 10 mA und wiederholt das ganze Prozedere.


    Phase 3: Betriebstemperatur (ca. wenn Ventilator angeht)
    Hier bleibt der Wert bei 20.3 mA stecken. Keine Änderung, keine Schwankung nichts. auch nicht wenn ich Gas gebe oder an der CO Schraube drehe. Habe dementsprechend die CO Schraube wieder zurück gedreht zur Ausgangsposition...


    Ich habe die Phasen gefilmt und bei youtube ein mal hochgeladen, vielleicht hilft das besser beim Verständnis
    Link:

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    Ich verstehe echt nicht, woran dieser komische EHS Strom noch liegen kann...

  • Als Erstes würde ich vorschlagen, die Kontakte des Temperatursensorsteckers auf Oxidation oder Beschädigungen zu überprüfen. Nur weil der Sensor selbst korrekte Werte anzeigt, heißt das noch lange nicht, dass diese auch korrekt an das Motorsteuergerät weitergeleitet werden. Bei meinem Auto mit 3A-Motor waren die Kontakte grün verfärbt und die Kabel waren zudem verdreht, was zu allerlei Problemen beim Kaltstart führte. Die benötigten Teile sind ein originales 2-poliges Steckergehäuse (443906232), neue Kontakte (TE Technology 927771-1, am ehesten dem Original entsprechend) und eine gute Crimpzange. So sieht es bei mir nach der Reparatur aus, allerdings sollte deine Verkabelung weniger beansprucht sein als meine.


    Wenn das alles in Ordnung ist, solltest du den Zündzeitpunkt mit einem Stroboskop überprüfen. Bei der Einstellung sollte der Schlauch für die Unterdruckverstellung abgeklemmt sein. Idealerweise sollte er auf 6 Grad vor O.T eingestellt werden, da es dafür eine Markierung am Schwungrad geben sollte.


    Falls Sie dies noch nicht getan haben, tauschen Sie die Lambdasonde aus. Es handelt sich um einen 1-poligen Sensor, der alle 50.000 km ausgetauscht werden sollte, was jedoch selten jemand tut. Überprüfen Sie natürlich auch den Zustand des Steckers.


    Ich weiß, dass du bereits auf Luftlecks geprüft hast, aber ich empfehle dir, auch den Unterdruckschlauch (026133642G) zu überprüfen, der von der Gummi-Ansaugmanschette (überprüfe diese ebenfalls selbst auf Undichtigkeiten) zum Ansaugkrümmer führt, denn als ich ihn ausgebaut habe, war dort, wo die Original-Klemme festgezogen war, ein Riss, und nach dem Austausch hat sich auch eine Verbesserung gezeigt.

  • Vielen lieben Dank für diese umfangreichen Tipps.

    Ich werde die nächsten Tage diese Schritte noch ein mal sorgfältig durchgehen und mich auf jeden Fall noch mal melden und Update geben.

    LG und schönen Tag noch an alle

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