Mal zur ursprünglichen Frage mit den Typ(en).
Die "Typ"-Bezeichnungen waren ´typisch´ für viele deutsche Hersteller um Ihre Baureihen bzw. Entwicklungen zu bezeichnen/zuzuordnen/durchzunummerieren.
Die der modernen Audi
- also der VW-Tochter die aus der DKW (das einzige was aus der alten Auto Union übrig geblieben war)
und der NSU entstanden ist - indem man einfach einen uralten, 1945 endgültig erloschenen Auto Union-Zweig reanimierte
stammt von VW und die hatten es vom Porsche Entwicklungsbüro übernommen, damit meine ich nicht die 1948 geborene Automobil-Werke Porsche
sondern das
1931 gegründete (Konstruktions- und) Entwicklungsbüro des alten Professor Porsche,
das alle Entwicklungen mit einer fortlaufenden Typ-Nummer durchnummeriert hatte.
Angefangen mit Typ(-Nummer) 7, einer Wanderer Sechszylinder-Limousine (1931),
Typ-Nummer 8, einem Wanderer Achtzylinder Coupé,
...
Typ 60 - dem KdF-Wagen - dem späteren Käfer - sozusagen der Ur-Käfer
...
Panzer, Flugmotoren, Traktoren, Wasserturbinen, Seilwinden, Skilifte, ...
Porsche Senior leitete schließlich bis Kriegsende quasi die Wagenfabrik Kdf-Stadt bei Fallersleben,
das spätere Wolfsburg, und er übernahm auch sämtliche Entwicklungsarbeiten (Porsche Typ 82 = Kübelwagen, Porsche Typ 166 = Schwimmwagen usw)
aus den Ruinen entstand dann Volkswagen, mit Nordhoff entwickelte auch wieder Porsche (Konstruktionsbüro) ausschließlich für die VW,
die intern bei Ihrer ganz eigenen Typ-Gestaltung blieben - Typ 1 ("Käfer"), Typ 2 ("VW Bus" - nicht zu verwechseln mit der nochmaligen Unterscheidung zwischen T1, T2, usw), Typ 3 ("VW 1500/1600") ...
Die Trennung mit dem Porsche-Entwicklungsbüro läutete schön langsam die Übernahme von DKW (samt dem Rest der Auto Union) 1964 bis 1966 und NSU im Sommer 1969, sowie der Tod Nordhoffs (April 1968 ) ein,
da man mit DKW und vor allem NSU ein eigenes komplettes und kompetentes Entwicklungs-Team bekam inkl. Ideen in die richtige Richtung (Projekt K50 der NSU - dem späteren Typ 86 der Audi NSU Auto Union AG = Audi 50 oder dem Projekt T80 - dem späteren NSU Ro 80, der abseits des Wankelmotors die Initialzündung aller VW/Audi-Mittelklasse-Modelle war - zuerst mit dem K70, später mit dem Audi 100)
aber auch den späten DKW-Typen F102, die trotz Zweitakter, wichtige erste Schritte zur späten Audi einläutete (wobei DIE modernen Impulse von Volkswagen und Audi hauptsächlich von der NSU stammten).
Da hakte es nämlich mit dem Porsche-Entwicklungsbüro - während das z.B. recht formidable Panzer entwickeln konnte (Leopard I und II), war bei der Autoentwicklung für VW stillstand angesagt, über Heckmotor mit Luftkühlung kam man nicht raus ...
erst später stellte man wieder moderne Auto-Entwürfe her (Forschungsprojekt Langzeitauto (FLA 1973), Motorenentwicklung für den ersten Seat Ibiza, diverse Lösungen für den ersten Opel Zafira etc.).
Um es vorab klar zu stellen:
die Typ-Bezeichnungen liefen jeweils autark, vollkommen unabhängig in der jeweiligen Firma:
Porsche Entwicklungsbüro hatte ihre eigenen, fortlaufende Typ-Nummerierung, - zumindest abgestimmt mit dem Autoproduzenten Porsche;
VW hatte ihre eigene;
und die spätere Audi (vormals Auto Union GmbH von VW, dann Audi NSU Auto Union AG) hatte ebenfalls ihre eigene.
Komplizierend kommt hinzu, das nicht selten
-zumindest in Deutschland-
alle drei Marken in einem Autohaus vertrieben wurden.
Bis in die späten 70er konnte man seinen Porsche auch beim örtlichen VW-Händler bestellen, wenn dieser wollte (mein VW Wallner/Wolnzach machte das noch bis zum Ende - ca. 1979).
Audi und VW standen bis Mitte der 90er hierzulande sowieso Seite an Seite, bis die Trennung aufgezwungen wurde (zuerst getrennte Verkaufsräume, inzwischen getrennte Standorte).
Als sich weitere Erweiterungen abzeichneten (die spätere Seat-Kooperation die schließlich in eine Übernahme mündete und der Verkauf der staatlichen Skoda-Werke an VW 1990/1991 etc.),
fiel man in den Firmen schön langsam ab, von den Typ-Nummerierungen
und fand zu neuen Produkt- und Entwicklungs-Codes. Den Abschluss bildete hier Porsche in den Spät-90ern, erstmals öffentlich mit dem Gemeinschaftsprojekt Cayenne 9PA (fälschlicherweise oft Typ 955 genannt).
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Diese Codes wurden früher allesamt kaum verwendet.
In Büchern und Zeitschriften der 70er und 80er Jahre findet man in der Regel nur Verweise auf das ´Neue Modell´
(z. B. "der neue Audi 80")
oder wenn man ein älteres Modell abgrenzen wollte, dann schrieb man die Bauzeit dazu:
Audi 80 bis (August) 1972
Audi 80 bis (Juli) 1978
Audi 80 ab (August) 1978
usw.
übrigens selbst auf offiziellen Dokumenten von VW und Audi wie Reifenfreigaben:
Hier steht in aller Regelmäßigkeit nur die Fahrgestellnummer ab und bis es verwendet werden darf
und die Produktionszeit ("ab Februar 1972" oder "ab August 1973")
die Oldtimer-Bewegung war noch in den Kinderschuhen und kaum ein Auto wurde wesentlich älter als 10 Jahre. Viele schafften gerade mal drei, vier TÜV-Perioden mit viel gebastel.
Das sich auf den Westdeutschen Straßen diverse Generationen vom selben "Modell" ´tummelten´ war eher die Ausnahme. Meistens waren es nur zwei Generationen: Das Aktuelle und der Vorgänger - der Rest stand ungenutzt bei Senioren in der Garage oder war beim Schrotthändler.
Das änderte sich erst ab ca. 1990, als immer mehr weitere Generationen hinzu kamen,
da die Automobile der 1980er wesentlich standfester wurden als die Fahrzeuge der 1960er und 1970er Jahre.
Und auch, weil sich die Tuning-Szene in den 80er Jahren festigte und eine technische Unterscheidung von Freigaben, TÜV-Berichte etc. von den vielen verschiedenen Motorisierungen und Autotypen nötig wurde (in den 70er hatten die meisten Hersteller weniger als eine handvoll verschiedener Fahrzeugtypen zur Auswahl und wenn dann dazu noch eine paar Motoren).
Ab diesem Zeitpunkt, also Beginn der 1990er,
begann man auch über Entwicklungscodes zu kommunizieren: Typ 81, Typ 85, Typ 89, ... B4.
Ab diesem Zeitpunkt begann auch diese Vereinfachung:
wo gerade das Typ 81, Typ 82 und Typ 85 - aber auch das Typ F104, Typ 43 und Typ 44, Typ 4C hingeführt hatten:
Chaos für jeden, der sich nicht intensiv mit Audi befassen konnte oder wollte:
"der Typ 82 ist also älter als der Typ 81?"
"F104? 4C? - was wo? Warum hier kein Typ mit reinen Ziffern oder einem geordneten Code?"
man ging dazu über -auch bei Audi selbst, auch dort findet man bei späten Publikationen auf einmal einen "B3"-
die aktuellen, schlüssigeren Bezeichnungen nach unten zu verwenden
- also Fahrzeuge mit etwas zu titulieren, was sie niemals besessen hatten:
Audi 80 B1, B2, B3
Audi 100 C1, C2, C3
Diese Rückwirkende Bezeichnung ist praktisch und wird auch von den Händlern und Fans kommuniziert (wenn sie auch die "Hardcore-Fans" bemängeln, weil sie eben irgendwie ´falsch´ ist),
aber ´jeder´ versteht was man mit einem Audi B2 meint - es ist also ein Typ 81 oder 85 gemeint
oder mit einem an sich falschen Audi B4 Cabrio - es ist das erste Cabrio 8G usw.
Mit diesem Chaos ist auch Volkswagen behaftet und man greift auch dort zu ähnlichen Hilfsmittelchen (z.B. beim Passat),
lediglich bei Porsche Entwicklungsbüro und Porsche Autowerk lief es geordnet - zum einem den geringen Modellangebot von Porsche Autowerk bis zur Jahrtausendwende geschuldet
als auch, da man sich absprach.
Fazit: ja es ist chaotisch - aber eigentlich nicht schlimm.